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Massage
Die Massage ist eine Therapieform der manuellen Therapie. Sie dient
zur mechanischen Beeinflussung von Haut, Bindegewebe und Muskulatur
durch Dehnungs-, Zug- und Druckreiz. Die Wirkung der Massage erstreckt
sich von der behandelten Stelle des Körpers über den gesamten
Organismus, was auch die Psyche mit einschließt.
Geschichte
Ursprung
Die Massage im weitesten Sinne ist eines der ältesten Heilmittel
der Menschheit. Franz Kirchberg hat dies in seinem Buch treffend formuliert:
Wie jeder Mensch instinktiv eine geschwollene und deshalb schmerzende
oder gestoßene Stelle seines Körpers reibt oder drückt
und so versucht, den durch die Spannung verursachten Schmerz zu mindern,
so wird dieses instinktive Mittel wohl auch als Heilmittel zu allen
Zeiten angewandt worden sein.
Entwicklung
Die gezielte Anwendung von Massagen zur Heilung hat ihren Ursprung
sehr wahrscheinlich im Osten Afrikas und in Asien (Ägypten, China,
Persien). Die ersten Erwähnungen finden sich beim Chinesen Huáng
Dì, der bereits 2600 v. Chr. Massagehandgriffe und gymnastische
Übungen beschreibt. In Verbindung mit ätherischen Ölen
und Kräutern gibt es auch frühe Nachweise in der indischen
Ayurveda. Über den griechischen Arzt Hippokrates (460-375 v. Chr.)
gelangt die Massage letztendlich nach Europa. Hier spielt sie eine essentielle
Rolle bei der Rehabilitation der Gladiatoren. Hippokrates erkundet und
vertieft die Geheimnisse der Massage und schreibt seine Erkenntnisse
und Tipps zur Anwendung nieder. Der zweite bedeutende Arzt der Antike,
der Römer Galenos (129-199), nahm sich ebenfalls der manuellen
Therapie an und schrieb unzählige Abhandlungen über die von
ihm entworfenen Massageformen und bei welchen Erkrankungen diese anzuwenden
seien. Trotz seines Einflusses, der bis weit in das Mittelalter reicht,
verliert die Gesellschaft das Interesse an Massagen und anderen Präventions-
und Therapiemaßnahmen.
Wiederentdeckung
Erst gegen Ende des Mittelalters, im 16. Jahrhundert, wurde die Massage
durch den Arzt und Alchimisten Paracelsus (1493-1541) wieder Thema der
Medizin. Allerdings sträubte dieser sich gegen die Lehren des Galenus,
insbesondere gegen die Viersäftelehre, und machte sich damit unter
seinen Kollegen viele Feinde. Es brauchte einen weiteren Arzt, den Franzosen
Ambroise Paré (1510-1590), um die Massage in der modernen Medizin
zu etablieren. Er verwendet die Massage als Rehabilitationstherapie
nach Operationen.
Weiterentwicklung und Gegenwart
Die so genannte Schwedische Epoche auf dem Gebiet der manuellen
Therapie begann mit Pehr Henrik Ling (1776-1836). Ling war zunächst
als Gymnastik- und Fechtlehrer tätig und gründete später
im Jahre 1813 das Zentralinstitut für Heilgymnastik und Massage
in Stockholm, wo er seine Auffassungen von Massage und Gymnastik lehrte.
Die von ihm entwickelten Handgriffe wurden als Reiben, Drücken,
Walken, Hacken und Kneipen bezeichnet.
Ebenfalls maßgeblich beteiligt an der Weiterentwicklung der klassischen
Massage war der holländische Arzt Johann Georg Mezger (1839-1901).
Durch seine Arbeit in Amsterdam wurde der Massage das Tor zur Wissenschaft
und zur Medizin geöffnet. Ihre Wirkung konnte von da an nicht mehr
geleugnet werden.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Technik der schwedischen
Massage von den Amerikanern übernommen, und erst durch den Berliner
Orthopäden Prof. Dr. Albert Hoffa (1859-1907) Ende des 19. Jahrhunderts
in Deutschland eingeführt wurde. Hoffa war es auch, der der schwedischen
Massage den letzten Feinschliff gab und sie in der heute bekannten Form
verbreitete.
Er setzte die Massage speziell für den Bewegungsapparat ein und
kombinierte sie mit einer gelenkspezifischen Übungsbehandlung.
Nach seiner Auffassung könnten nur Ärzte pathologische
Produkte der Muskulatur palpieren und massieren. Jeder seiner
Assistenzärzte musste daher die Massage erlernen und praktizieren.
Es entwickelten sich immer spezifischere Massagegriffe und es gab eine
Entwicklung, weg von der direkten Wirkung auf Haut und Muskeln. Head
(1889) und Mackenzie (1917) entdeckten die Bedeutung der Reflexbögen
und begründeten damit die Reflexzonentherapie. Auf diesem Wissen
aufbauend erforschte Prof. Kohlrausch die Beeinflussung innerer Organe
durch gezielte Reize der Haut. Auf diese Form der Therapiemöglichkeit
kam Kohlrausch durch die Selbstversuche der Physiotherapeutin Elisabeth
Dicke (1884-1952), welche als Mutter der Bindegewebsmassage gilt. Zeitgleich
erfand der Arzt und Physiotherapeut Dr. Paul Vogler die Kolonbehandlung
sowie die Periostmassage. Ein paar Jahre später entwickelte der
Däne Dr. Emil Vodder zusammen mit seiner Frau Estrid das Prinzip
Lymphdrainage. Diese ist heutzutage neben der Klassischen Massage die
am meisten angewendete Behandlung aus dem Bereich der Manuellen Therapie.
Heutzutage obliegen die Massage und die Reflexzonentherapie nicht mehr
den Ärzten, sondern wird von Masseuren/Masseurinnen bzw. Physiotherapeuten/Physiotherapeutinnen
ausgeführt. In Europa gibt es inzwischen in fast jedem Staat eine
entsprechende Ausbildung, die den Schutz des Gesetzes genießt.
Allgemeine Wirkung
Da sich die theoretischen Grundlagen der einzelnen Massagearten sehr
stark unterscheiden, und diese auf völlig unterschiedlichen Behandlungstheorien
basieren, ist die Anzahl der Wirkungsweisen auf den Körper sehr
hoch. Folgend sind die wichtigsten dieser Wirkungsweisen genannt.
* Lokale Steigerung der Durchblutung
* Senkung von Blutdruck und Pulsfrequenz
* Entspannung der Muskulatur
* Lösen von Verklebungen und Narben
* Verbesserte Wundheilung
* Schmerzlinderung
* Einwirken auf innere Organe über Reflexbögen
* Psychische Entspannung
* Anxiolytische Effekte
* Reduktion von Stresshormonen (u.a. Cortisol)
* Verbesserung des Zellstoffwechsels im Gewebe
* Entspannung von Haut und Bindegewebe
* Beeinflussung des vegetativen Nervensystems
* Sexuelle Erregung
Formen der Massage
Die verschiedenen Formen der Massage versuchen auf zwei unterschiedliche
Arten eine Heilung oder Linderung beim Patienten zu erlangen. Die klassische
Methode ist die Behandlung der Haut und der Muskulatur an der Stelle,
die massiert wird. Diese Methode ist weitestgehend schulmedizinisch
anerkannt und findet sich in den Lehrbüchern und Therapieleitfäden
wieder. Die zweite Art wird heutzutage noch sehr kritisch beäugt
und es haben nur wenige Therapien den Sprung auf die Leistungskataloge
der Krankenkasse geschafft. Diese Massageformen machen sich die Reflexbögen
zu nutze und sollen so auch Leiden der Organe behandeln. Es wird also
nicht die "kranke Stelle" behandelt, sondern das entsprechende
Areal, welches das kranke Organ repräsentiert. Um beiden Methoden
einen einprägsamen Namen zu geben, wird hier von einer "direkten
Wirkung" und einer "reflektorischen Wirkung" gesprochen.
Da der menschliche Körper ein komplexes System ist, kann niemals
eine Therapie ausschließlich nur auf eine von beiden Behandlungsarten
aufbauen. Die Einteilung soll daher lediglich die Richtung weisen, nicht
aber exakte Auskünfte über die Therapie geben.
Direkte Wirkung
* Klassische Massage (Schwedische Massage)
* Ganz-/Teilkörpermassage
* Ayurveda-Massage
* Bürstenmassage
* Esalen-Massage
* Ganzheitliche Massage
* InTouch Massage
* Klangmassage
* Lomilomi (Romi, Kahuna Bodywork, Ma Uri, Tempelmassage)
* Ölmassage (Thymian, Melisse, Minze)
* Lymphdrainage
* Rhythmische Massage (nach Dr. med. Ita Wegman)
* Shiatsu
* Sportmassage
* Thai-Massage
* Tuina
* TouchLife Massage
* Unterwasserdruckstrahlmassage
* Warmsteinmassage (Hot Stone Massage)
* Watsu
* Indische Kopfmassage (Shampissage)
* Deep Tissue Massage
Reflektorische Wirkung
* Akupressur
* Akupunktmassage (nach Penzel)
* Bindegewebsmassage
* Reflexzonenmassage (z. B. Fuß-, Handreflexzonenmassage/-therapie)
* Ausgleichende Punkt- und Meridian-Massage
* Periostmassage
* Kolonbehandlung
* Pneumatische-Pulsationsmassage
* Schlüsselzonenmassage (nach Marnitz)
* Segmentmassage
* Thai-Massage
* TouchLife Massage
* Tuina Massage
* Watsu
* Yoni-Massage
Klassische Massage
Die Klassische oder auch Schwedische Massage wird heutzutage weltweit
von Masseuren, Physiotherapeuten und Ärzten praktiziert und ist
daher eine der bekanntesten Massageformen. Das liegt unter anderem daran,
dass die Klassische Massage wissenschaftlich und medizinisch anerkannt
ist und es keine Zweifel an ihrer Wirkung gibt. Über die heilenden
Aspekte für die Psyche war sich die medizinische Fachwelt lange
nicht einig, inzwischen gibt es aber zahlreiche Nachweise auch für
psychische und sogar psychosoziale Wirkungen von Massagen - die maßgeblich
durch die Wirkung des Hormons Oxytocin vermittelt sind.
Indikation
Zu den Indikationen der klassischen Massage zählen Verspannungen,
Verhärtungen, Erkrankungen des Bewegungsapparates, wie die Wirbelsäulen-Syndrome,
oder auch posttraumatische Veränderungen. Durch die Reflexbögen
können sich Erkrankungen der inneren Organe an der Haut oder den
Muskeln zeigen. Ein weiteres Einsatzgebiet der Massage ist die Fachrichtung
der Neurologie. Hier lassen besonders Paresen, Spastiken, Neuralgien
und Sensibilitätsstörungen behandeln. Hinzu kommen die auf
Stress zurückzuführenden psycho-somatischen Krankheitsbilder,
die sich hauptsächlich auf das Herz und den Blutkreislauf beziehen.
Kontraindikation
Generell kann man sagen, dass alle akuten Entzündungen ein absolutes
"Nein" für Massagen bedeuten. Dazu zählen fieberhafte
Erkrankungen und Erkrankungen der Gefäße, da der Körper
bereits stark beansprucht ist, und durch die Massage zusätzlich
belastet wird. Bei Hauterkrankungen kann der Kontakt zu Verschlechterung
der Krankheit, Verschleppung der Keime oder Ansteckung des Therapeuten
führen. Ebenso ist bei einer traumatischen Verletzung die Massage
wegen des Druckes auf das entsprechende Gewebe (wie z. B. Muskulatur,
Knochen) absolut kontraindiziert.
Handgriffe
Die Klassische Massage verfügt über fünf Handgriffe,
die aufgrund ihrer Wirkung in den unterschiedlichen Phasen einer Massage
angewendet werden.
* Effleurage (Streichung; von frz. effleurer [efl??e] flüchtig
berühren)
Die Streichung ist der angenehmste und entspannendste Handgriff der
Massage. Sie wird vor allem am Anfang zum Verteilen des Öls (oder
der Creme) eingesetzt und um die Haut des Patienten an die Hand des
Therapeuten zu gewöhnen. Während der Behandlung dient sie
als Erholungspause zwischen den stärkeren Griffen. Zum Abschluss
der Massage wird die Streichung zur Entspannung der gestressten Muskulatur
und Erholung für den Patienten angewendet. Der Rücken des
Patienten kann nach der Massage mit Einreibealkohol unter schnellen
Streichungen eingerieben werden. Das lockert die Muskulatur und verhindert
die Entzündung der Haarwurzel.
* Petrissage (Knetung, Walkung; von frz. pétrir [pe?t?i??]
(durch)kneten)
Haut und Muskulatur werden entweder zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger
oder mit der ganzen Hand/beiden Händen gefasst und geknetet bzw.
gewalkt. Bei der Knetung wird die Wirkung auf die Muskulatur von den
Händen des Therapeuten erzeugt, bei der Walkung geschieht dies
durch den Druck des Muskels auf die darunter liegenden Knochen. Beide
Griffe werden vor allem verwendet, um Verspannungen zu lösen. Sie
wirken auf die Muskulatur und das Unterhautbindegewebe, und verbessern
die Durchblutung.
* Friktion (Reibung; von frz. friction [f?ik?sj??] Reibung)
Die Fingerspitzen oder die Handballen führen kleine, kreisende
Bewegungen auf dem Muskel aus. Dieser Griff ist sehr effektiv bei Verspannung
und Verhärtungen der Muskulatur, muss aber sehr vorsichtig eingesetzt
werden, da er sehr kraftvoll ist und starke Schmerzen und evtl. Verletzungen
verursachen kann.
* Tapotement (Klopfung; von frz. tapoter [tap??te] gegen etw.
klopfen; tätscheln)
Mit der Handkante, der flachen Hand, oder den Fingern werden kurze,
schlagende Bewegungen ausgeführt. Diese fördern die periphere
Durchblutung, verändern den Tonus der Muskulatur. Wird die Klopfung
mit der Hohlhand auf Höhe der Lunge ausgeführt, so verbessert
dies die Schleimlösung in der Lunge. Letzteres ist auch als Klopfmassage
bekannt.
* Vibration (Erschütterung; von frz. vibration [vib?a?sj??] Schwingung;
Zittern)
Vibrationen werden vom Therapeuten durch so genanntes Muskelzittern
erzeugt. Die Fingerspitzen oder die flache Hand werden aufgelegt und
der Masseur erzeugt das Muskelzittern. Die Wirkung kann bis in tiefer
gelegene Gewebe und Organe reichen. Dieser Handgriff ist lockernd und
hat somit unter anderem eine krampflösende Wirkung.
Ganz-/Teilkörpermassage
Man unterscheidet die Massage in Ganz- und Teilkörperbehandlung.
Von einer Ganzkörpermassage spricht man, wenn mehr oder weniger
alle Körperregionen massiert werden. Dies schließt gewöhnlich
Füße, Beine, Arme, Hände, Rücken, Schultern und
Nacken ein. Die Massage kann auf die Brust, den Bauch und das Gesicht
ausgeweitet werden. Die Ganzkörpermassage wird nur selten als medizinische
Therapie verschrieben. Meistens findet man sie mit abgeschwächten
Handgriffen als ganzheitliche Massage.
Bei der Teilkörpermassage wird nur ein Körperteil massiert.
Beide Beine bzw. beide Arme zählen hier als ein Körperteil.
Daraus ergeben sich folgende Teilmassagebereiche: Beine, Rücken
(im liegen und mit freiem Oberkörper), Arme, Brust, Bauch, Gesicht.
Diese Einteilungen sind aber eher zum Abdrucken in Schulbüchern
geeignet. Jeder Masseur hat seine eigene Art der Massage und wird eine
Teilkörpermassage auf die angrenzenden Gebiete ausweiten.
Artikel Massage. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand:
15. August 2007, 20:20 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Massage&oldid=35593796
(Abgerufen: 16. September 2007, 22:53 UTC)
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