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Tattoo - Tätowierung
Eine Tätowierung (wissenschaftlich auch Tatauierung) ist ein Bild
oder auch Text, das mit Tinte oder anderen Farbpigmenten in die Haut
eingebracht wird. Heute wird die Farbe in der Regel mit Hilfe einer
Tätowiermaschine durch eine oder mehrere Nadeln (je nach gewünschtem
Effekt) unter die oberste Hautschicht gestochen und dabei ein Bild oder
Text gezeichnet.
Etymologie
Auch wenn die Etymologie eher unklar ist, so kann davon ausgegangen
werden, dass das deutsche Wort Tätowieren oder das eingedeutschte
Tattoo und seine Vorläufer ihren Ursprung vom Tahiti-Wort tatau
haben. Dieses Wort hat sich vermutlich lautmalerisch aus dem Geräusch
entwickelt, das beim Schlagen auf den in Polynesien traditionell benutzten
Tätowierkamm entsteht. Ein nachvollziehbarer Grund dafür,
warum sich dieser Begriff, zumindest im englischen Sprachraum, relativ
schnell durchsetzen konnte, ist möglicherweise der Umstand, dass
es ein exakt gleichlautendes Wort schon seit der Mitte des 17. Jahrhunderts
in der englischen Militärsprache gab. Mit diesem Wort bezeichnet
man bis heute den militärischen Zapfenstreich. Diese Vermutung
wird dadurch bestärkt, dass in England, neben dem zunächst
gebräuchlichen tattaw, der Begriff tattow verwendet wurde, der
sich dann zu tattoo umbildete und bis heute ausschließlich benutzt
wird. Berücksichtigt man nun weiterhin, dass es in England zunächst
überwiegend Soldaten waren, die sich tätowieren ließen,
erscheint die oben formulierte Erklärung durchaus schlüssig.
Im deutschen Sprachraum existierten lange Zeit die Begriffe Tatauieren
und Tätowieren nebeneinander, bis sich schließlich zu Beginn
des 20. Jahrhunderts die Bezeichnung Tätowieren endgültig
im allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzte. In der Ethnologie wird jedoch
weiterhin meist von Tatauieren und Tatauierungen gesprochen.
Ursprung und Entwicklungen
Jede Ethnie der Erde kannte wahrscheinlich zu irgendeinem Zeitpunkt
ihrer Entwicklung die Sitte des Tätowierens und übte sie aus.
Strittig ist hingegen, wo sich die Tätowierung schwerpunktmäßig
entwickelt hat. Immer wieder wurde versucht, die Tätowierung vom
Ursprung her einem bestimmten geografischen Gebiet zuzuordnen. Die ältesten
Belege für das Vorkommen von Tätowierungen stammen aus dem
südamerikanischen Raum und Europa. Im Norden Chiles wurden 7000
Jahre alte Mumien gefunden, die bereits Tätowierungen an Händen
und Füssen aufwiesen. Die Gletscher-Mumie Ötzi trug bereits
vor über 5000 Jahren mehrere aus Holzkohlen und Balken bestehende
Zeichen, die mit Nadeln unter die Haut gebracht wurden. Diese Zeichen
kann man somit als die ältesten bekannten Tätowierungen bezeichnen.
Besonders aufwändige und großflächige Tätowierungen
sind von den eisenzeitlichen Skythen, dem Reitervolk der russischen
Steppengebiete und der Kaukasusregion, bekannt. Dieser Umstand scheint
die häufig anzutreffende These, dass die Sitte des Tätowierens
ursprünglich aus dem südwestasiatischen Raum stammt, sich
von dort über Ägypten nach Polynesien und Australien ausgebreitet
hat und schließlich nach Nord- und Südamerika weitergetragen
wurde, zu widerlegen. Entgegen einer Vielzahl von Theorien, die allesamt
versuchen, den Ursprung der Tätowierung in einen bestimmten geografischen
Raum zu pressen, kann anhand der vielfältigen und über den
ganzen Erdball verstreuten Hinweise davon ausgegangen werden, dass sich
die Sitte des Tätowierens bei den verschiedenen Völkern der
Erde selbständig und unabhängig voneinander entwickelt hat.
In seiner ursprünglich wohl ausschließlich rituellen Bedeutung
ist es später zumeist in Mikronesien, Polynesien, bei indigenen
Bevölkerungen und z. B. auch den Ainu und den Yakuza (Japan) verbreitet.
Technik
Der Vorgang der Tätowierung besteht grundsätzlich in einer
Punktierung der Haut, wobei gleichzeitig mit dem Durchstechen ein Farbstoff
in die Haut eingebracht wird. Hierbei ist darauf zu achten, dass der
Stich weder zu oberflächlich noch zu tief angebracht wird. Im ersten
Fall würde der eingelagerte Farbstoff lediglich in die Zelllagen
der Epidermis eingebracht werden. Dies hätte zur Folge, dass bei
der fortwährenden Erneuerung dieser Hautschicht ein Abwachsen und
eine Abstoßung der Farbteilchen nach außen gleichzeitig
mit den Epidermiszelllagen erfolgen würde. Im zweiten Fall, wenn
also der Stich zu tief in die Haut vorgenommen wird, kommt es durch
die auftretenden Blutungen zu einem Auswaschen der Farben. Dauerhaft
haltbar sind diejenigen Farbpigmente, die in der mittleren Hautschicht
(Dermis) und zwar im Zelltyp der Fibroblasten eingelagert sind.
Die im Westen gebräuchlichste Methode ist das Arbeiten mit einer
elektrischen Tätowiermaschine. Hier wird z. B. mit Hilfe zweier
Spulen ein Magnetfeld erzeugt, das eine Anzahl feiner, an eine Stange
gelöteter Nadeln schnell vor- und rückwärts bewegt. Eine
weitere Tätowiermaschine arbeitet mit einem Elektromotor, der über
einen Exzenter die Auf- und Abwärtsbewegung erzeugt. Diese Maschinenart
wurde um 1970 von Horst Streckenbach und Manfred Kohrs entwickelt und
gebaut.
Die Geschwindigkeit ist abhängig von den einzelnen Tätowiermaschinen,
der Technik und dem gewünschtem Effekt, z. B. Linien oder Schattierungen,
liegt aber zwischen ca. 800 bis 3.500 Bewegungen pro Minute. Die Tinte
hält sich dank einer Kapillarwirkung zwischen den Nadeln und wird
durch die Schnelligkeit der Bewegung ähnlich leicht in die Haut
gebracht wie beim Zeichnen mit einem Stift auf Papier. Im Gegensatz
zum Papier wird die Haut aber mit der einen Hand unter Spannung gehalten,
die andere Hand bringt das Bild ein.
Neben dieser Technik des Tätowierens existieren noch viele weitere
Möglichkeiten, dauerhafte Hautzeichnungen herzustellen. Zu nennen
wäre hier beispielsweise das Einschneiden der Haut und ein Einreiben
der Wunde mit Tinte, Asche oder sonstigen farbgebenden Stoffen (s.g.
Cutting), oder das Tätowieren mit Nadel und Faden, bei dem eine
mit Faden umwickelte Nähnadel in Tinte getaucht und dann in die
Haut gestochen wird. Zurück bleiben hierbei die typischen so genannten
Knast-Tattoos unter der Haut verlaufene Tintenkleckse formen
die berühmten drei Punkte, Tränen, Namenszüge oder primitive
Bildchen.
Es gab und gibt in der langen Geschichte der Tätowierung aber
noch andere manuelle Tätowiertechniken. Bei den Völkern Polynesiens
war eine Art Tätowierkamm gebräuchlich, der aus verschiedenen
Pflanzenteilen oder Knochen hergestellt wurde und an einem langen Stab
befestigt war. Die Spitzen des Kammes wurden durch rhythmisches Schlagen
auf den Griff in die Haut getrieben, wo sie eine Tinte gemischt aus
Wasser und Asche oder verbrannten Nüssen einbrachten. Diese Kämme
gab es in unterschiedlichen Breiten, sie hinterließen aber immer
Linien, niemals Punkte.
Die Irezumi genannten traditionellen japanischen Tätowierungen
werden auch heute noch häufig manuell gefertigt, obwohl sich westliche
Tätowiermaschinen auch in Japan längst großer Beliebtheit
erfreuen. Hierzu dienen Nadeln, die, wie bei einem Pinsel, an langen
Bambusgriffen befestigt sind. Diese Technik erfordert sehr viel Übung,
erlaubt aber dem Meister der sie beherrscht, durch Variation in der
Tiefe des Stiches seine Tätowierungen mit großer Präzision
und Kontrolle herzustellen.
Die Inuit hingegen zogen mit Farbe getränkte Fäden oder Sehnen
unter der Haut hindurch, um eine dauerhafte Zeichnung zu erhalten. Die
wohl bekannteste Form der unfreiwilligen Tätowierung, die auf dem
gleichen Prinzip beruht, ist die sog. Schmutztätowierung.
Ganze Generationen von Fußballspielern tragen zeitlebens Aschepartikel
unter der Haut ihrer Knie, die bei einem Sturz durch Schürfwunden
dorthin gelangten.
Funktion und Bedeutung
Insgesamt bietet sich ein breites Spektrum der unterschiedlichsten
Funktionen und Bedeutungen der Tätowierung. Betrachtet man die
in der relevanten Literatur beschriebenen Funktionen als Mitgliedszeichen,
rituelles oder sakrales Symbol, Ausdrucksmöglichkeit für Abgrenzung
(siehe auch Bourdieu) und Exklusivität, Mittel zur Verstärkung
sexueller Reize, Schmuck, Protest (Punk) und nicht zuletzt die der politischen
Stellungnahme, so ergeben sich bei genauerem Hinsehen signifikante Übereinstimmungen
dieser zunächst recht zusammenhanglos erscheinenden Bereiche.
Mit sogenannten Knast-Tattoos können Rangfolgen und Kastenzugehörigkeiten
etwa durch das Kreuz der Diebe dargestellt werden, sowie Funktionen,
die der Häftling während der Gefangenschaft innehatte, wie
beispielsweise Schläger, Rowdy, Aufrührer
oder Boss. Darüber hinaus gibt es Kennzeichnungen für
Mörder oder Lebenslängliche, und auch die Meinung
zur Justiz bis hin zu offenen Drohungen oder gar erfolgreich ausgeführte
Rache können als Tätowierung kundgetan werden. Auch sexuelle
Einstellungen lassen sich aus Tattoos herauslesen.
Angaben, in welchen Gegenden man bereits inhaftiert war, die Sehnsucht
nach Freiheit oder der Vorsatz auszubrechen sind ebenso Themen wie die
Anzahl der abzusitzenden Jahre, beispielsweise in Form von Abbildungen,
die dies in der Anzahl der Holzscheite unter einem Feuer oder der Stachel
am Stacheldraht zeigen.
Gesellschaftliche Bedeutung
Besonders deutlich tritt zutage, dass die Tätowierung bei all
den beschriebenen Funktionen eine eminent wichtige Rolle bei der Regulierung
des sozialen Miteinanders hat. Egal ob es sich hierbei um die Stärkung
des Gruppenzusammenhangs, die lebens- und überlebensnotwendige
Hervorhebung oder Abgrenzung von anderen Individuen oder die Artikulation
von politischer Kritik handelt, wirkt die Tätowierung als Vermittler
oder Katalysator zwischen verschiedenen Gruppen und/oder Individuen.
Auffällig ist, dass es sich bei den beschriebenen Bereichen grundsätzlich
um Problemlagen oder Situationen handelt, die eine tiefe emotionale,
häufig sogar existentielle Bedeutung für das Individuum oder
die Gruppe haben. Dieser Umstand beantwortet möglicherweise auch
die Frage, warum die hier von der Tätowierung übernommenen
Funktionen bis heute nicht durch andere, zeitgemäßere Interaktions-
bzw. Kommunikationsmittel übernommen wurden. Kein anderes Medium
bietet eine so tiefe physische und psychische Nähe zum Träger
/ Akteur wie die Tätowierung. So erscheint es nur konsequent, wenn
sich die betroffenen Individuen ihrer oberflächlich betrachtet
entgegen aller Opportunität und Vernunft bedienen. Handelt
es sich bei den betreffenden Individuen ohnehin um Personen oder Gruppen,
die kein ernsthaftes Interesse oder keine Hoffnung auf
eine Veränderung der augenblicklichen Situation haben, wird die
Wahl einer Tätowierung als adäquates Ausdrucksmittel umso
nachvollziehbarer. Als Fazit bleibt festzuhalten, dass der Tätowierung
auch heute eine, wenn auch nur für eine begrenzte Anzahl von Individuen,
wichtige Bedeutung innerhalb der Sozialbeziehungen zukommt. Diese Funktion
kann sie nur deshalb erfüllen, weil sie immer sowohl einen intra-
als auch einen interpersonellen Charakter hat. Das Christentum steht
im Alten Testament ablehnend dem Tattoo gegenüber. Es steht geschrieben:
Und einen Einschnitt wegen eines Toten sollt ihr an eurem Fleisch
nicht machen; und geätzte Schrift sollt ihr an euch nicht machen.
Ich bin der Herr. (3. Mose 19,28). Dies bezieht sich jedoch eindeutig
auf heidnische Praktiken und nicht auf den Vorgang des Tätowierens
an sich. Früher war es unter den Heiden üblich, sich die Namen
eines Verstorbenen einzuritzen, daher das biblische Verbot. Gegen eine
christliche Tätowierung ist seitens der Bibel aber nichts einzuwenden.
Aber auch ganz abgesehen von religiöser Einstellung gibt es Menschen,
die Tätowierungen ekelhaft und abstoßend finden. Insbesondere
Frauen werden bei hochklassigen Veranstaltungen aufgrund eines Tattoos,
das bei einem Abendkleid sichtbar ist, abfällig belächelt.
In einigen Subkulturen ist es teils genau andersrum, dort verleiht das
Tattoo seinem Träger Ansehen und eine Gruppenzugehörigkeit.
Tätowierung in Japan
Eine sehr lange Tradition haben Tätowierungen (jap. Irezumi) in
Japan. Die Anfänge der Tätowierung in Japan liegen vermutlich
bei den Ainu. Zu Beginn der Edo-Zeit (16031868) waren Tätowierungen
unter anderem bei Prostituierten und Arbeitern sehr beliebt. Ab 1720
wurde die Tätowierung als eine Art Brandmarkung für Kriminelle
eingesetzt, was dazu führte, dass sich anständige
Japaner keine Tätowierungen mehr machen ließen. Wer auf diese
Weise gezeichnet war, konnte sich nicht mehr in die Gesellschaft eingliedern,
was zur Bildung einer eigenen Schicht führte: den Yakuza. Unter
der Meijiregierung wurde 1870 diese Praxis zwar abgeschafft, allerdings
wurden auch die Tätowierungen komplett verboten, was erst 1948
wieder aufgehoben wurde.
Obwohl stilistisch sehr einheitlich, gibt es eine große Vielfalt
an Motiven. Oft sind es mythologische Wurzeln, wie in Form von Drachen
oder Dämonen, die häufig aus Sagen stammen und eine ganze
Geschichte erzählen. Oder es gibt Symbole wie Kirschblüten
(Schönheit und Freude, aber auch Vergänglichkeit) und Kois
(Erfolg, Stärke und Glück). Ein interessanter Stil mit blutigen
und grausigen abgehackten Köpfen entwickelte sich, als gegen Ende
des 19. Jahrhunderts Gruselgeschichten in Japan äußerst populär
wurden. Eine typisch japanische Eigenart ist, sich zeitlebens nur von
einem einzigen Künstler tätowieren zu lassen; oftmals entstehen
daraus über Jahre hinweg großflächige Gemälde auf
dem ganzen Körper, die schließlich vom Künstler sogar
signiert werden.
Auf Grund ihrer Geschichte sind Tätowierungen in Japan noch immer
stigmatisiert und werden oft als Verstrickung ins kriminelle Milieu
interpretiert. Sie sind noch immer ein wichtiger Bestandteil der Yakuza-Kultur
(vor allem die den kompletten Torso einnehmenden, so genannten Bodysuits).
In manchen öffentlichen Bädern wird Menschen mit großflächigen
Tätowierungen immer noch der Eintritt verweigert. Aber ebenso wie
im Westen werden Tätowierungen gerade bei jungen Japanern immer
beliebter und dadurch einer breiteren Gesellschaftsschicht vertraut.
Heutzutage gibt es in Japan viele weltweit bekannte Tätowierer
(zum Beispiel Horiyoshi III), die ihr Können jeweils an ihre Schüler
weitergeben. In letzter Zeit erfreuen sich auch in westlichen Kulturen
Tätowierungen im japanischen Stil wachsender Beliebtheit.
Neueste Tendenzen
Tätowierungen hatten ursprünglich im Westen das Stigma des
Matrosen oder Sträflings, erfreuen sich aber spätestens seit
den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder größerer Beliebtheit
und sind vorwiegend Ausdruck einer Jugendkultur, die im Rahmen ihrer
auf das äußere Erscheinungsbild gestützten Identitätsfindung
auch mit Techniken wie dem Piercing, Branding auf archaische Praktiken
vorzivilisatorischer Kulturen zurückgreift. Auch in die Welt der
Kinder ist die Tätowierung mittlerweile vorgedrungen, wenn auch
nur in Form von Klebebildern, die sich leicht wieder entfernen lassen,
aber auch unter dem Begriff Tattoo firmieren. Analog dazu finden sich
auch sogenannte Hennatattoos, die nicht in die Haut gestochen sondern
aufgemalt werden. Dieser Stoff wird vom Körper nach einigen Wochen
abgebaut und die Tätowierung verschwindet so spurlos. Diese Entwicklung
zeigt ebenfalls die Annäherung des Tattoo an den Mainstream, ermöglicht
sie doch eine Tätowierung gleichsam als Modeaccessoire. Auch das
Phänomen des Biotattoos ist bekannt. Angeblich verschwindet diese
Art der Tätowierung nach einigen Jahren von selbst wieder, weil
nicht so tief gestochen wird. In Wirklichkeit geschieht dies aber nur
in den seltensten Fällen, wenn überhaupt, da es quasi unmöglich
ist, so genau zu arbeiten, dass weder zu flach (die Tätowierung
verschwindet schon während der Heilung) noch zu tief (die Tätowierung
bleibt) gestochen wird. Mindestens Teile oder ein Schatten der Tätowierung
bleiben zumeist erhalten und ver(un)zieren den Körper für
immer. Es wird daher von seriösen Tätowierern vor solchen
Biotattoos gewarnt; außerdem würden sie ohnehin den Charakter
der Tätowierung entfremden.
Tiere
Vielen Haustieren wird ein Identifikationscode in die Haut tätowiert,
damit die Tiere bei Verlust dem Halter zugeordnet werden können;
bei Zuchttieren ist ebenfalls eine Tätowierung zwecks Identifikation
üblich. Bei Nutztieren war lange Zeit das Brandzeichen üblich.
Gesundheitsgefahren
Infektionsgefahr
Es müssen beim Tätowieren strenge Hygienevorschriften eingehalten
werden. Diese Vorschriften werden nicht immer kontrolliert, deshalb
ist Vorsicht in den unterschiedlichen Studios geboten. Es kann zu HIV-,
Hepatitis- und diversen anderen Infektionen kommen. Studios in Deutschland,
die dem DOT (Deutsche Organisierte Tätowierer e. V.) angehören,
arbeiten allerdings steril genug, um Infektionen vorzubeugen.
Gesundheitsschädliche Farbstoffe
Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Teil der Farbstoffe nach längerer
Zeit auch in den Körper gelangen kann. Da es, im Gegensatz zu Kosmetika,
für die verwendeten Farben kaum gesetzliche Vorschriften gibt,[1]
enthalten diese oft zum Beispiel Schwermetallverbindungen als Pigment.
Außerdem gelten insbesondere Azo-Farben als problematisch, da
sie unter Einwirkung von UV-Licht in gesundheitsschädliche Stoffe
wie Azelenhydrochlorid oder verschiedene Kohlenwasserstoffe (beides
Zellgifte) zerfallen.
Entfernung
In den letzten Jahren wurden Tattoos mehr und mehr zu einer Modeerscheinung
(siehe beispielsweise Steißbeintätowierung). Früher
aus innerem Antrieb und tiefer Verbundenheit zu ihrer Tätowierung,
tragen heute viele Menschen diese, um einem Trend zu folgen. Mit dem
Abklingen dieser Mode wächst bei vielen der Wunsch, das Tattoo
wieder entfernen zu lassen.
Doch schon früher versuchten Menschen, ihre Tätowierungen
wieder loszuwerden. 54 nach Christus beschrieb ein griechischer Arzt
eine Paste aus Knoblauch und Cantharidin, die die Haut absterben ließ
und so die Tätowierung entfernen sollte.
Nach dieser Methode, die Haut und damit die Farbstoffe in ihr wegzuätzen,
wurde lange Zeit vorgegangen, um unliebsame Tätowierungen loszuwerden.
Eine weitere Möglichkeit war das Abhobeln der Haut und damit der
Farben. Bei unprofessionell gestochenen Tätowierungen, bei denen
die Farbpigmente in unterschiedlichen Hautschichten liegen, bleiben
dabei leicht noch Schatten sichtbar.
Sind diese Entfernungen nicht erfolgreich, kann auch das entsprechende
Hautstück herausgeschnitten werden, was wie die anderen beschriebenen
Methoden stark sichtbare Narben hinterlässt.
In Japan wird in seltenen Fällen die Epidermis mit Hilfe von Enzymen
von der Dermis getrennt und wieder aufgesetzt.
Bei der Entfernung von Tätowierungen steht heute vor allem die
Rubinlaser-Therapie wegen ihrer relativ guten Ergebnisse, ihrer guten
Verträglichkeit und ihres hohen Entwicklungsstandes im Vordergrund.
Bei der Entstehung einer Tätowierung werden im Heilungsprozess
(bis etwa zwei Wochen nach dem Stechen) die Farbpigmente durch körpereigene
Kollagene eingekapselt. Der Körper kann daher die Farbpigmente
nicht mehr abbauen, die Tätowierung bleibt erhalten.
Mit Einsatz eines Rubinlasers lassen sich diese Kollagenkapseln aufbrechen,
sodass der Organismus mit einer Zersetzung der Farbstoffe beginnen kann.
Allerdings folgt dem eine erneute Einkapselung, was Wiederholungen der
Lasertherapie (in der Regel zehn Sitzungen) erforderlich macht.
Während des Therapieverlaufs lässt sich eine Verfärbung
des Tattoos erkennen, dies liegt an den unterschiedlichen Abbaugeschwindigkeiten
der Pigmente einer Farbe. Früher wurden allerdings häufig
Farbstoffe eingesetzt, die nur schwach bis gar nicht abgebaut werden
können. In diesem Fall bleibt auch eine Rubinlaser-Therapie fast
wirkungslos.
Ferner gibt es zum Entfernen einer Tätowierung noch weitere Methoden,
zum Beispiel die Diathermie. Diese zerstört mit Hilfe von Mikrowellen
umliegende Hautzellen, welche beim Heilungsprozess mit den Farbpigmenten
abgeschieden werden.
Artikel Tätowierung. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
Bearbeitungsstand: 15. September 2007, 17:45 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=T%C3%A4towierung&oldid=36742824
(Abgerufen: 17. September 2007, 10:11 UTC)
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